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Pressemitteilung: FDP/BZD-Fraktion will Kinderarztversorgung im Kreis Wesel auf den Prüfstand stellen

Auf dem Papier ist die Kinder- und Jugendmedizin im Kreis Wesel gut aufgestellt. Doch wie sieht die Situation tatsächlich bei den Familien vor Ort aus?

Auf dem Papier ist die Kinder- und Jugendmedizin im Kreis Wesel gut aufgestellt: Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) weist einen Versorgungsgrad von 104,6 Prozent aus. Doch wie sieht die Situation tatsächlich bei den Familien vor Ort aus?

Genau das will die FDP/BZD-Fraktion im Kreistag Wesel klären. Für die Sitzung des Ausschusses für Gesundheit, Bevölkerungs- und Verbraucherschutz am 23. November 2026 beantragt die Fraktion den Tagesordnungspunkt „Bedarfsplanung der KVNO und tatsächliche Versorgungssituation in der Kinder- und Jugendmedizin im Kreis Wesel“.

„104,6 Prozent klingt erst einmal nach einer komfortablen Versorgungssituation. Entscheidend ist aber nicht nur, was auf dem Papier steht, sondern ob Eltern im Kreis Wesel tatsächlich zeitnah einen Kinderarzttermin bekommen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Constantin Borges.

Zwischen Statistik und Wirklichkeit

Die Fraktion möchte deshalb klären, wie aussagekräftig der statistische Versorgungsgrad für die tatsächliche Situation vor Ort ist. Dabei geht es unter anderem um regionale Unterschiede zwischen den Städten und Gemeinden, Wartezeiten auf Termine und die Erreichbarkeit kinder- und jugendmedizinischer Angebote.

Auch die Rolle der Hausarztpraxen soll betrachtet werden. Wenn Hausärztinnen und Hausärzte zusätzlich Kinder und Jugendliche versorgen, können sie Versorgungslücken auffangen. Gleichzeitig kann dadurch zusätzlicher Druck auf die hausärztliche Versorgung entstehen.

„Wenn Hausärzte einspringen müssen, damit Kinder zeitnah behandelt werden können, müssen wir wissen, welche Auswirkungen das auf die hausärztliche Versorgung insgesamt hat. Dafür brauchen wir belastbare Zahlen statt Vermutungen“, so Borges.

Darüber hinaus stellt sich für die FDP/BZD-Fraktion die Frage, ob die Kriterien der Bedarfsplanung Veränderungen des medizinischen Bedarfs ausreichend abbilden. Insbesondere psychische und psychosomatische Erkrankungen, neurologische Erkrankungen sowie Entwicklungsstörungen können zusätzliche Anforderungen an die kinder- und jugendmedizinische Versorgung stellen.

„Versorgungsplanung muss sich an der Realität orientieren. Wenn sich der Bedarf verändert, müssen wir prüfen, ob die bestehenden Planungsgrundlagen diese Entwicklung ausreichend berücksichtigen“, betont Borges.

Die FDP/BZD-Fraktion möchte deshalb neben der Kreisverwaltung auch die KVNO in die politische Diskussion einbinden. Sie soll zu einer der nächsten Ausschusssitzungen eingeladen werden und erläutern, wie der Versorgungsgrad von 104,6 Prozent zustande kommt, welche Faktoren in die Berechnung einfließen und inwieweit regionale Besonderheiten sowie die tatsächliche Inanspruchnahme berücksichtigt werden.

Zudem soll dargestellt werden, welche Möglichkeiten bestehen, auf regionale Engpässe zu reagieren. Dazu können beispielsweise zusätzliche Anstellungsmöglichkeiten, flexible Versorgungsmodelle sowie Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung ärztlichen Nachwuchses gehören.

Für die FDP/BZD-Fraktion geht es ausdrücklich nicht darum, einen Versorgungsmangel zu behaupten, bevor die Fakten auf dem Tisch liegen. „Wir stellen eine einfache Frage: Deckt sich die Statistik mit der Lebenswirklichkeit der Familien im Kreis Wesel? Wenn ja, ist das eine gute Nachricht. Wenn nein, müssen wir wissen, wo es hakt und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen“, erklärt Borges.

Die Kreisverwaltung soll ihre vorhandenen Erkenntnisse zur Versorgungssituation zunächst schriftlich und anschließend im Ausschuss darstellen. Die Ergebnisse der weiteren Beratung mit der KVNO sollen in die Arbeit des Kreises, der Gesundheitsregion und der Gesundheitskonferenz einfließen.