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Anfrage: Niedrigwasser am Rhein – Auswirkungen auf Wirtschaft, Infrastruktur und Wasserhaushalt im Kreis Wesel

Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Rhein führt im Sommer 2026 auch im Kreis Wesel außergewöhnlich wenig Wasser. Nach den amtlichen Daten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung wurden am Pegel Wesel am 14. August 2026 um 5 Uhr 68 Zentimeter und um 13 Uhr nur noch 67 Zentimeter gemessen. Die aktuellen Messwerte liegen damit deutlich unter dem in den ELWIS-Stammdaten weiterhin ausgewiesenen niedrigsten bekannten Wasserstand von 88 Zentimetern vom 17. August 2022.

Für den Wirtschaftsstandort Kreis Wesel ist dabei nicht allein der Pegelstand maßgeblich. Niedrige Wasserstände können die mögliche Beladung von Schiffen begrenzen, Transportkosten erhöhen und Auswirkungen auf Häfen, Industrie, Logistik und Lieferketten haben. Entscheidend sind dabei unter anderem die jeweiligen Fahrrinnenverhältnisse, Schiffstypen und Transportstrecken.

Im Kreis Wesel sind bereits konkrete Auswirkungen sichtbar. So ist der Betrieb der Rheinfähre Keer Tröch II wegen des Niedrigwassers bis auf Weiteres eingestellt. Darüber hinaus können langanhaltende Trockenheit und niedrige Rheinwasserstände Auswirkungen auf Grundwasserstände, kleinere Fließgewässer, wasserwirtschaftliche Anlagen und den Naturhaushalt haben.

Vor diesem Hintergrund bitten wir um Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Lagebild und weitere Entwicklung

  1. Wie bewertet die Kreisverwaltung die aktuelle Niedrigwasserlage am Rhein im Kreis Wesel und deren voraussichtliche Entwicklung in den kommenden Wochen?
  2. Welche Erkenntnisse liegen der Kreisverwaltung aus eigenen Unterlagen, Beteiligungen oder dem laufenden Austausch mit zuständigen Stellen über die Auswirkungen des Niedrigwassers auf Schifffahrt, Häfen, Industrie, Logistik und regionale Lieferketten vor?
  3. Gibt es beim Kreis bereits ein fachbereichsübergreifendes Lagebild zur aktuellen Niedrigwasserlage? Falls ja, welche Bereiche sind daran beteiligt und für welche Entscheidungen oder Maßnahmen wird dieses Lagebild genutzt?

2. DeltaPort und regionale Wirtschaft

  1. Welche konkreten Auswirkungen auf die DeltaPort-Häfen sind dem Kreis beziehungsweise der Kreisverwaltung aus bereits vorliegenden Informationen bekannt, insbesondere im Hinblick auf Schiffsanläufe, Beladungsbeschränkungen, Umschlag, Verzögerungen oder sonstige betriebliche Einschränkungen?
  2. Sind dem Kreis als Gesellschafter der DeltaPort GmbH Notfall-, Stufen- oder Resilienzmaßnahmen für länger anhaltende beziehungsweise ausgeprägte Niedrigwasserlagen bekannt? Falls ja, welche wesentlichen Maßnahmen sind vorgesehen oder bereits eingeleitet?
  3. Welche Wirtschaftsbereiche oder Branchen im Kreis Wesel sind nach den der Kreisverwaltung bereits vorliegenden Erkenntnissen besonders vom aktuellen Niedrigwasser betroffen? Gibt es Hinweise auf konkrete oder bei einer Fortdauer der Niedrigwasserlage absehbare Risiken für wichtige Produktions- , Logistik- oder Versorgungsabläufe?

3. Fähren, Verkehr und Tourismus

  1. Welche verkehrlichen, touristischen oder wirtschaftlichen Folgen der vorübergehenden Einstellung der Rheinfähre Keer Tröch II sind der Kreisverwaltung bekannt?
  2. Sind dem Kreis weitere Einschränkungen oder Gefährdungen von Fährverbindungen, Anlegern, Häfen oder touristischen Schiffsverbindungen im Kreisgebiet bekannt?

4. Grundwasser und Wasserwirtschaft

  1. Welche Erkenntnisse liegen der Kreisverwaltung aus bereits vorhandenen Daten über die Entwicklung der Grundwasserstände und der wasserwirtschaftlich relevanten kleineren Fließgewässer im Kreis Wesel während der aktuellen Trocken- und Niedrigwasserperiode vor?
  2. Liegen dem Kreis Erkenntnisse oder Meldungen über Auswirkungen der niedrigen Rhein- und Grundwasserstände auf wasserwirtschaftliche Anlagen, insbesondere Pumpanlagen der LINEG, sowie auf Siedlungsgebiete, Landwirtschaft, Industrie, Trinkwasserversorgung oder den Naturhaushalt vor?

5. Handlungsbedarf gegenüber Land und Bund

  1. Welche Maßnahmen oder Forderungen hat der Kreis Wesel im Zusammenhang mit der aktuellen Niedrigwasserlage bereits gegenüber dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Bund, der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung oder anderen zuständigen Stellen angesprochen beziehungsweise unterstützt?
  2. Welche der von der Niederrheinischen IHK formulierten Anliegen – insbesondere zur Unterhaltung und Ertüchtigung der Bundeswasserstraßen, zu verbesserten Wasserstands- und Fahrrinnenprognosen sowie zur Stärkung der Hafen- und Schieneninfrastruktur – hält die Kreisverwaltung für den Wirt- schaftsstandort Kreis Wesel für besonders relevant?
  3. Hält der Landrat angesichts der aktuellen Entwicklung eine gemeinsame Positionierung des Wirtschaftsstandortes Kreis Wesel mit DeltaPort, der Niederrheinischen IHK, der LINEG und den betroffenen Kommunen gegenüber Land und Bund für sinnvoll? Falls ja, welche Themen sollten dabei aus Sicht der Kreisverwaltung im Vordergrund stehen?
  4. Wie soll der zuständige Ausschuss bei einer Fortdauer oder Verschärfung der Niedrigwasserlage über wesentliche wirtschaftliche, verkehrliche und wasserwirtschaftliche Entwicklungen informiert werden?

Wir bitten um eine Beantwortung auf Grundlage der Erkenntnisse und Unterlagen, die dem Kreis im Rahmen seiner eigenen Zuständigkeiten, Beteiligungen und laufenden Kontakte bereits vorliegen.

Eine umfassende zusätzliche Datenerhebung oder Unternehmensbefragung bei DeltaPort, der Niederrheinischen IHK, der LINEG, den Kommunen oder einzelnen Unternehmen ist mit dieser Anfrage ausdrücklich nicht beabsichtigt.

Soweit Informationen nicht vorliegen oder außerhalb der Zuständigkeit des Kreises liegen, bitten wir um einen entsprechenden kurzen Hinweis und – soweit ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand möglich – um Benennung der jeweils zuständigen Stelle.

Mit freundlichen Grüßen

Constantin Borges

Fraktionsvorsitzender